Dienstag, 11. Februar 2014

Reto zwei Wochen auf Inbetriebsetzung


Inbetriebsetzungen beim Kunden sind immer ein besonderes Erlebnis. Meistens finden sie in den pulsierenden Hauptstädten Chinas statt, ausgestattet mit modernster Infrastruktur, gepflegten Lebensräumen und exquisiten Restaurants. Diese Pracht des Landesinneren möchte ich euch in Form einer kurzen Bilderstrecke versuchen näher zu bringen…

06:00, der Wecker klingelt und ich werfe sofort einen Blick aus dem Fenster. Das Wetter ist super, die Luftverschmutzung liegt bei angenehmen 425µg/m3 (Man sollte da zwar nicht mehr aus dem Haus, weil die Regierung dies für Gefährlich einstuft, aber hey macht doch Spass.. Übrigens hört die Messskala in der Schweiz bei 100µg/m3 auf – Wieso weiss ich auch nicht.. danach fängt das Kribbeln im Hals doch erst an)



Gut, dann schnell zum Frühstück. Hab ich leider kein Foto davon, aber ist auch nicht so interessant. Es gibt keinen Orangensaft und keinen Kaffee aber wozu auch, es hat ja heisses Wasser. Dazu beliebig viele Spiegeleier, gebratener Reis, gebratene Nudeln, gebratene Süsskartoffeln und Fischsuppe. Wunderbar, also aufessen und los ins Taxi zum Kunden.

Unser Hotel ist das nächst gelegene, wo die Heizung, Strom und Toiletten noch funktionieren, deshalb fahren wir jetzt eine Stunde bis zur Fabrik. Dies ist aber sehr kurzweilig, auch wenn die anderen vier Taxiinsassen am Schlafen sind. Denn jede Fahrt birgt seine besonderen Erlebnisse. Vor allem wenn der Taxifahrer aufwacht und sich 2 Meter neben der Spur wieder findet.
Wir fahren also los..

Vorbei an einigen Kaminen..


Vorbei an der schönen Nachbarschaft..


Vorbei an weiteren Kaminen…


Vorbei an Mr Chan, der‘s auch streng hat und vor seiner 12 Stunden Schicht noch seinen Sohn Bao zu den Grosseltern, seine Töchter Feng und Fang in die Privatschule oder zum Klavierunterricht, und seine Frau Jiao zur Arbeit fahren muss.





    

Vorbei an der Dorfmetzgerei – und schon bekommt man wieder Lust aufs Mittagessen..


Vorbei an..  HOPPLA! Na das war Pech, aber zum Glück nichts passiert.




 08:30, wir kommen motiviert und voller Tatendrang bei der Firma an und legen sofort mit der Arbeit los. Bilder gibt’s aus Geheimhaltungsgründen leider keine, aber hier ein Referenzbild um sich etwas vorzustellen: „Huuiii…“


12:30, Endlich Mittagessen! Wir stehen geordnet wie alle anderen an der Fassstrasse in der Kantine an.. es gibt Brotteig, gekochten Salat und kalten Reis.



Nach der leckeren Mahlzeit geben wir das gebrauchte Tablar wieder beim Mann mit den Gummistiefeln ab.


13:00, wieder ran an die Arbeit.. Doch vorher noch kurz auf die Toilette. Denn was raus muss, muss raus.. Okay.. oder doch nicht. Ich verklemm‘s mir bis zum Hotel..


Der letzte hat wohl den WC Besen in der Ecke nicht gesehen..



19:00 Feierabend! Wieder los zum Taxi und auf zum Abendessen! Man hab ich Hunger.. Aber erst wieder eine Stunde fahren..

Vorbei an einem kleinen Auffahrunfall…


Und noch kurz ein paar neue Schutzschuhe kaufen. Etwa wie die Nadel im Heuhaufen..


Okay, sofort wieder weiter zum Restaurant.

20:30, Ankunft im Restaurant und als erstes, vor dem absitzen gleich einmal die lebende Menü Karte begutachten. Die Auswahl ist gross und man kann sich kaum entscheiden. Fleisch, Fisch..


… oder doch Insekt? Am besten etwas von allem..



Mmmhh schmeckt fantastisch! Und was im Magen so brodelt wird ca. alle 5 Minuten wieder mit einem kleinen Gläschen Chinesischem Reissschnaps weggeätzt.


23:00 So.. Endlich ins Bett! Der erste Tag war anstrengend aber gut. Und ich bin schon sehr gespannt was mich die nächsten 13 Tage erwartet! ;-)

Okay, Spass bei Seite, dies waren wirklich die schlimmsten Bilder, die ich auf meiner Kamera gefunden habe. :)  Keine Angst, unser Leben hier ist nicht so schlimm. Aber die Bilder zeigen dennoch einen schwer vorstellbaren Lebensstil, der in China aber ausserhalb der Grossstädte weit verbreitet ist. Es herrscht ein unglaublicher Kontrast zwischen Armut auf dem Lande und protzigem Reichtum in den Grossstädten. Die Stadt Suzhou, wo wir zu Hause sind, siedelt sich im oberen Segment an. Und jeden Tag aufs Neue sind wir wieder froh, für was wir haben und für den Lebensstandard den wir hier (und umso mehr auch in der Schweiz) geniessen dürfen.